Wien/Wiener Neudorf, 2. September 2026 – Lebensmittel sind wertvoll – und Fleisch hat aus ökologischer und ethischer Sicht einen ganz besonders hohen Stellenwert. Doch die Weitergabe von frischem Fleisch ist aus Haltbarkeits- und Haftungsgründen eine besondere Herausforderung. Die Tafel Österreich hat zusammen mit BILLA und der Lebensmittelbehörde ein Pilotprojekt entwickelt, um der Lebensmittelverschwendung in diesem komplexen Bereich entgegenzuwirken. Seit April 2025 wurde die Weitergabe von Frischfleisch an karitative Organisationen wie das Häferl – eine Einrichtung der Stadtdiakonie Wien im 6. Bezirk – getestet. Mit 1. September 2026 wurde das Projekt für drei Monate auf 30 BILLA und 10 BILLA PLUS Märkte in Wien ausgerollt, die Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch aus dem Selbstbedienungsbereich sozialen Einrichtungen zur Verfügung stellen. Die gemeinsame Initiative nimmt eine Pionierrolle in der karitativen Lebensmittelweitergabe ein und setzt im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel neue Maßstäbe.
Robert Nagele, Vorstand BILLA: „
Fleisch hat eine besondere Wertigkeit, gleichzeitig gelten im Fleischbereich besonders strenge gesetzliche Vorgaben und Hygienevorschriften. Lebensmittelsicherheit hat für uns oberste Priorität – auch bei der Weitergabe von Fleisch. Der seit April 2025 laufende Testbetrieb hat bereits gezeigt, welches Potenzial in dem Projekt steckt. Schon in dieser Phase konnten mehr als zwei Tonnen Fleisch an karitative Einrichtungen weitergegeben werden. Mit der Ausrollung von bisher acht auf nun 40 Märkte erhalten noch mehr karitative Einrichtungen hochwertige Fleischprodukte.“
Alexandra Gruber, Geschäftsführung Die Tafel Österreich: „
Während der Bedarf an kostenfreier Lebensmittelhilfe stark gestiegen ist, werden durch optimierte Prozesse im Handel weniger Lebensmittel überschüssig. Das ist grundsätzlich positiv, stellt uns aber vor neue Herausforderungen. Die karitative Lebensmittelweitergabe muss sich daher weiterentwickeln und wir setzen alles daran, neue Warenquellen zu erschließen. Mit BILLA als starkem Partner haben wir uns an das komplexe Thema Fleischrettung herangewagt und ein echtes Pionierprojekt auf den Weg gebracht. Damit können wir noch mehr hochwertige Lebensmittel vor dem Verlust bewahren und Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützen.“
Einen niederschwelligen Zugang zu einer warmen Mahlzeit bietet die Stadtdiakonie Wien mit dem Häferl. Im „Wirtshaus für Alle“, das armutsbetroffenen und wohnungslosen Menschen zugänglich ist, wird an jedem Öffnungstag ein frisch gekochtes, dreigängiges Menü an den Tisch serviert. Der größte Unterschied zu anderen Wirtshäusern ist, dass es am Ende keine Rechnung für die Gäste gibt.
Wilhelm Raber, Geschäftsführung Stadtdiakonie Wien: „
Für Menschen, die wenig Geld haben, sind viele Lebensmittel zum Luxus geworden. Hohe Inflation und die zunehmende Vermögensungleichheit verschärfen diese Situation zusehends. Wir finden: Armut darf nicht bedeuten, dass Menschen auf eine ausgewogene und vielfältige Ernährung verzichten müssen. Mit unseren Angeboten decken wir nicht nur den Grundbedarf, sondern möchten auch Lebensfreude stiften und gelegentlich etwas Luxus bieten. Dazu gehört auch, Fleischgerichte anzubieten.“Tobias Riener, Leitung Häferl: „
Fleisch ist ein besonders kostbares Lebensmittel, das von unseren Besucher:innen sehr geschätzt wird. An Tagen, an denen ein Fleischgericht am Menüplan steht, servieren wir bis zu einem Viertel mehr Portionen – teilweise weit über 400 Teller. Wir sind dankbar, Teil des Projekts zu sein, das uns bereits in der Testphase mehr Flexibilität in der Menügestaltung gebracht und vielen hungrigen Menschen eine große Freude bereitet hat.“
Frischfleischspenden: Ausweitung von 8 auf 40 MärkteIn intensiver Zusammenarbeit zwischen Die Tafel Österreich, BILLA und der Lebensmittelbehörde wurde ein praxistauglicher Prozess zur Weitergabe von Frischfleisch erarbeitet. Seit April 2025 haben 5 BILLA und 3 BILLA PLUS Märkte in Wien im Testbetrieb frisches Fleisch an karitative Einrichtungen wie das Häferl im 6. Wiener Gemeindebezirk gespendet. Insgesamt konnten in der Testphase mehr als 2 Tonnen Frischfleisch weitergegeben werden. Lebensmittelsicherheit hat dabei oberste Priorität. Gespendet wird ausschließlich Fleisch am Tag des Verbrauchsdatums. Zudem handelt es sich ausschließlich um Fleisch aus dem Selbstbedienungsbereich, das unter sterilen Bedingungen abgepackt wurde. Besonders sensible Produkte, wie Faschiertes oder Innereien, sind vom Projekt ausgenommen.
Die Abholung der Ware wird von der Tafel Österreich und karitativen Einrichtungen organisiert und erfolgt entweder in Kühlwägen oder in Kühlboxen, um die Kühlkette einzuhalten. Die Sozialeinrichtung entscheidet, ob sie die Ware vor Erreichen des Verbrauchsdatums verkocht, 1:1 weitergibt oder tiefkühlt. Eine Besonderheit stellt die Weitergabe von Geflügel dar. Aus Gründen der Lebensmittelsicherheit wird dieses nur weitergegeben, wenn es noch am Tag des Verbrauchsdatums vollständig durcherhitzt oder verkocht wird.
Damit die Weitergabe reibungslos funktioniert, stellt Die Tafel Österreich nicht nur Know-how aus 27 Jahren karitativer Lebensmittelweitergabe und einen Leitfaden zur sicheren Weitergabe von Fleisch für Sozialeinrichtungen zur Verfügung, sondern auch ihre
digitale Tafel-Drehscheibe für die Erfassung der geretteten Mengen. Als Bindeglied koordiniert der Sozialverein dabei die Abholung und Verteilung durch die teilnehmenden Organisationen.
So verbindet das Projekt drei zentrale Anliegen: Ressourcenschonung und Klimaschutz, den Zugang zu ausgewogener Ernährung für armutsbetroffene Menschen sowie die Einhaltung höchster Standards bei der Lebensmittelsicherheit.
Breites Maßnahmen-Paket zur LebensmittelrettungBILLA sorgt mit einer Vielzahl von Initiativen dafür, dass Lebensmittel gerettet werden. Das beginnt mit einer bedarfsgerechten Bestellung in den Märkten, um Warenüberschüsse zu vermeiden und dennoch den Kund:innen ein vielfältiges Sortiment bis Ladenschluss zu bieten. Zudem arbeitet nahezu jeder BILLA und BILLA PLUS Markt in Österreich mit zumindest einer karitativen Einrichtung zusammen. Das spiegelt sich auch in den Spendenzahlen wider: Im Jahr 2025 haben BILLA und BILLA PLUS über 23 Mio. Mahlzeiten-Äquivalente[1] gespendet.
Zusätzlich setzt BILLA mit dem Verkauf von Obst&Gemüse- sowie Gebäck-Rettersackerln wichtige Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung. Unter der Eigenmarke „Wunderlinge“ wird zudem Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern – zu klein, zu groß oder zu krumm – aber von bester Qualität vermarktet. Darüber hinaus verarbeiten Mitarbeiter:innen im Markt übrig gebliebene Produkte wie Salate, Bananen, Äpfel, Paprika und Co. zu Smoothies, Salatbowls und weiteren Schmankerl weiter. Lebensmittel mit unmittelbar bevorstehendem Ablaufdatum werden vergünstigt angeboten. Backwaren, die sich weder verkaufen noch spenden lassen, werden von BILLA gemeinsam mit dem österreichischen Futtermittelerzeuger Königshofer zu Tierfutter weiterverarbeitet.
[1] Das Gewicht dividiert durch 0,42 (0,42 kg entsprechen ca. 1 Mahlzeit) ergibt die Anzahl der Mahlzeiten-Äquivalente.